Genossenschafts-Metzgerei muss neuen Anlauf nehmen

02.02.2018 - Südostschweiz

Von den Ennetbergen nach Matt: Madleina Zimmermann bringt ihre Kälber seit zwei Jahren zur Puurä Metzg in Matt. «Es ging mir darum, selber verpacken zu können», sagt sie. Eine andere Metzgerei mit dem Angebot habe sie nicht gefunden. Bild Sasi Subramaniam
Von den Ennetbergen nach Matt: Madleina Zimmermann bringt ihre Kälber seit zwei Jahren zur Puurä Metzg in Matt. «Es ging mir darum, selber verpacken zu können», sagt sie. Eine andere Metzgerei mit dem Angebot habe sie nicht gefunden. Bild Sasi Subramaniam

Die Fleischgenossenschaft Sernftal bekommt für den Bau ihrer neuen Metzgerei keine öffentlichen Gelder. Private Metzgereien hatten sich dagegen gewehrt, dass ihre Konkurrenz mit Subventionsgeldern gefördert werden soll. Die Genossenschafter müssen jetzt bis Ende Mai über eine halbe Million Franken auftreiben.

 

Die Fleischgenossenschaft Sernftal will in Engi eine neue Metzgerei bauen. Rund 2 Millionen Franken kostet der geplante Umbau der ehemaligen Abwasserkläranlage in eine Metzgerei. Das Geld hatten die Genossenschafter zusammen – auch dank Subventionen: Der Kanton und der Bund wollten die Genossenschaft mit 600 000 Franken unterstützen. Doch einige Metzgerei Betriebe legten erfolgreich Einsprache ein. Die Genossenschaftsmetzgerei hätte ihr Geschäft konkurrenziert – und das mit staatlicher Unterstützung. Nun klafft eine grosse Lücke in der Finanzierung. Und die Zeit drängt. 

 

«Es pressiert, aber wir sind dran» 

Die Genossenschaft betreibt seit 20 Jahren die Puurä Metzg in Matt. Ihre Betriebsbewilligung läuft noch bis Ende Mai dieses Jahres: 2013 änderten die Hygiene-Vorschriften, welche die Metzgerei in Matt nicht erfüllen kann. Weil die neue Metzgerei sie bald ersetzen sollte, erhielt die Genossenschaft zwar eine Verlängerung für den Betrieb in Matt. Diese Ausnahmebewilligung hängt aber davon ab, dass der Ersatz in Engi tatsächlich kommt. Bis Ende Mai müssen die Genossenschafter nun das Geld zugesichert haben.

Sie hätten eine mündliche Zusage vom zuständigen Amt die Metzgerei in Matt dann über den Mai hinaus betreiben zu können, sagt der Präsident der Fleischgenossenschaft, Ruedi Elmer. «Es pressiert schon, aber wir sind dran. Wir versuchen nun, das Geld anderweitig zusammenzubringen.»

 

«Wir zählen auf die Bevölkerung»

Die Unterstützung von Bund und Kanton hätte sich aus einem Investitionskredit über 400 000 Franken und 200 000 Franken à fonds perdu zusammengesetzt ein Drittel hätte die Genossenschaft also nicht zurückbezahlen müssen.

Letzten Dienstag trafen sich einige Arbeitsgruppen der Genossenschaft zu einer «produktiven Sitzung», wie Vizepräsident André Siegenthaler sagt. Sie besprachen, wie das Projekt anzupassen wäre, und sie erörterten mögliche Geldquellen. Um die Finanzierung zu sichern, werden wohl die Genossenschafter mehr Geld investieren müssen. Ausserdem wollen sie das Projekt auch der Bevölkerung in Glarus Süd schmackhaft machen. «Wir zählen auf die Unterstützung der Bevölkerung», sagt Siegenthaler. «Indem die Genossenschafter durch ihr Engagement und die Erhöhung des Eigenkapitals zeigen, dass wir an uns und unser Projekt glauben, soll eine Dynamik ausgelöst werden. So hoffen wir, dass uns auch die Bevölkerung bei diesem zukunftsweisenden Projekt unterstützt.»

Einerseits gehe es darum, einheimisches Fleisch im eigenen Tal zu verarbeiten. Andererseits gehe es auch um den Genossenschaftsgedanken, so Siegenthaler: «Der Betrieb soll jenen gehören, die für ihn arbeiten.» Die Metzgerei beschäftigt im Moment einen hauptberuflichen Metzger. Mittelfristig hoffen die Genossenschafter, einen zweiten Arbeitsplatz zu schaffen. Wenn die Genossenschafter das Geld beisammen haben, können sie bald loslegen. Gegen das Baugesuch für den Umbau der Kläranlage Engi gingen keine Einsprachen ein. Es liegt immer noch bei der Gemeinde Glarus Süd.

 

Nicht der erste Rückschlag

Es ist nicht der erste Rückschlag für die neue Metzgerei der Genossenschaft: 2012 sollte sie mit Geldern für das Projekt «Glarner Fleisch und Hofprodukte» finanziert werden. Die Initiative von Bauern und Metzgern wollte einheimisches Fleisch ausschliesslich im Kanton verarbeiten. 7,7 Millionen Franken hätten unter anderem in einen neuen Betrieb, einen kleinen Schlachthof im Sernftal, in gemeinsame Vermarktung und Vertrieb investiert werden sollen. Da es sich um ein sogenanntes regionales Entwicklungsprojekt handelte, wären auch die Subventionen von Bund und Kanton üppig geflossen: 2,2 Millionen Franken aus Bern und 1,7  Millionen vom Kanton wären zu erwarten gewesen. Doch zu wenige Metzger und Bauern waren bereit, für die weitere Planung Geld auszugeben, weshalb das Projekt scheiterte.